Das Wichtigste in Kürze
- Ab dem 1. Januar 2027 können Banken, Neobroker und Fondsgesellschaften das Altersvorsorgedepot anbieten. Voraussetzung: Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern.
- Mehrere Anbieter haben bereits Konditionen angekündigt: DKB (0,15 % p.a.), ING (0,20 % p.a.), Comdirect (0,25 % p.a.). Neobroker wie Scalable Capital und Trade Republic dürften noch günstiger starten.
- Der wichtigste Vergleichsfaktor ist nicht allein die Gebühr. ETF-Auswahl, Zulagen-Abwicklung, Service und Finanzbildungsangebote entscheiden langfristig über deinen Anlageerfolg.
- Ein Anbieterwechsel ist im neuen System einfacher als bei Riester: nach 5 Jahren kostenfrei beim abgebenden Anbieter, maximal 150 EUR Verwaltungspauschale beim aufnehmenden Anbieter.
- Zusätzlich ist ein öffentliches Standarddepot in öffentlicher Trägerschaft gesetzlich vorgesehen.
Was ist ein Altersvorsorgedepot-Anbieter?
Ein Altersvorsorgedepot-Anbieter ist ein Finanzinstitut, das dir ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die Altersvorsorge zur Verfügung stellt. Dein Anbieter führt dein Depot, verwaltet deine ETF-Sparpläne und wickelt die Zulagenbeantragung beim Staat ab.
Anbieten dürfen das Altersvorsorgedepot: Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und andere zugelassene Finanzinstitute. Jedes Produkt muss durch das Bundeszentralamt für Steuern zertifiziert sein. Die Zertifizierung prüft die Übereinstimmung mit dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz (AltZertG), nicht die wirtschaftliche Qualität des Angebots.
Das bedeutet: Alle zertifizierten Anbieter erfüllen die gleichen gesetzlichen Mindeststandards. Die Unterschiede liegen in den Gebühren, der ETF-Auswahl, dem Service und den Zusatzleistungen.
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Worauf du bei der Anbieterwahl achten solltest
Bevor du dich für einen Anbieter entscheidest, lohnt sich ein Blick auf fünf Kriterien. Die günstigste Gebühr allein sagt wenig aus, wenn der Service schlecht ist oder die ETF-Auswahl eingeschränkt.
1. Depotgebühren und Effektivkosten
Die Depotgebühr ist der offensichtlichste Vergleichsfaktor. Sie wird als Prozentsatz deines Depotwerts pro Jahr berechnet. Bei einem Depotwert von 10.000 EUR und einer Gebühr von 0,20 % zahlst du 20 EUR pro Jahr.
Beim Standarddepot gilt ein gesetzlicher Kostendeckel von 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr. Für das freie Altersvorsorgedepot gibt es keinen gesetzlichen Deckel, hier regelt der Wettbewerb die Preise.
Neben der Depotgebühr können weitere Kosten anfallen: Ordergebühren für ETF-Käufe, Spread-Kosten und die laufenden Kosten der ETFs selbst (TER).
Praxis-Tipp: Vergleiche immer die Gesamtkosten, nicht nur die Depotgebühr. Ein Anbieter mit 0 EUR Depotgebühr, aber hohen Orderkosten kann über 30 Jahre teurer sein als einer mit niedriger Pauschale und kostenlosen Sparplänen.
2. ETF-Auswahl
Nicht jeder Anbieter wird die gleichen ETFs für das Altersvorsorgedepot zulassen. Die zulässigen Vermögensgegenstände werden durch eine gesetzliche Positivliste definiert. Innerhalb dieser Liste entscheidet jeder Anbieter selbst, welche ETFs er anbietet.
Wichtig ist: Breit diversifizierte ETFs wie MSCI World oder FTSE All-World sollten bei jedem seriösen Anbieter verfügbar sein. Unterschiede gibt es bei der Tiefe der Auswahl, also ob auch Themen-ETFs, Schwellenländer-ETFs oder nachhaltige Varianten verfügbar sind.
3. Zulagen-Abwicklung
Die Zulagenbeantragung läuft über den Anbieter. Per Dauerzulagenantrag erteilst du deinem Anbieter einmal die Vollmacht, und er beantragt jedes Jahr automatisch deine Grundzulage, Kinderzulage und gegebenenfalls den Berufseinsteigerbonus.
Alle Anbieter müssen das anbieten. Die Qualität der Abwicklung kann sich aber unterscheiden: Wie schnell werden die Zulagen gutgeschrieben? Gibt es einen Überblick über beantragte und erhaltene Zulagen? Ist der Prozess digital und transparent?
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4. Service und Support
Ein Altersvorsorgedepot läuft 30 bis 40 Jahre. In dieser Zeit wirst du Fragen haben: zur Förderung, zu Steueränderungen, zum Anbieterwechsel, zur Auszahlung. Guter Kundenservice ist bei einer Anlageentscheidung mit dieser Laufzeit kein "Nice-to-have", sondern ein entscheidender Faktor.
Fragen, die du dir stellen solltest: Gibt es telefonischen Support? Wie schnell reagiert der Anbieter auf Anfragen? Gibt es eine Wissensdatenbank oder Erklärungen zu den Produkten?
5. Finanzbildung und Guidance
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein Depot allein macht dich nicht zum erfolgreichen Altersvorsorge-Sparer. Wer versteht, wie ETFs funktionieren, warum Diversifikation wichtig ist und wie der Zinseszins über Jahrzehnte wirkt, trifft bessere Entscheidungen und bleibt in Krisenzeiten investiert.
Manche Anbieter bieten lediglich ein Depot an. Andere begleiten dich mit Bildungsinhalten, Rechner-Tools und persönlichem Support auf dem gesamten Weg.
In unserer Arbeit mit Banken und Brokern sehen wir, dass die größte Hürde für langfristigen Anlageerfolg nicht die Depotgebühr ist, sondern fehlendes Wissen. Menschen, die verstehen, warum sie investieren, halten ihren Sparplan auch durch, wenn die Märkte fallen.
Altersvorsorgedepot-Anbieter im Vergleich: Wer hat was angekündigt?
Stand Juni 2026 haben mehrere Anbieter konkrete Pläne für das Altersvorsorgedepot veröffentlicht. Wichtig: Die finalen Konditionen stehen bei den meisten Anbietern noch nicht fest und können sich bis Januar 2027 ändern.
Neobroker
Scalable Capital
- Pre-Registrierung seit Februar 2026
- Angekündigte Depotgebühr: noch nicht final veröffentlicht
- ETF-Sparpläne voraussichtlich ohne Ordergebühren
- Über 2.000 Fonds im regulären Angebot, darunter MSCI World und FTSE All-World
- Stärke: Große ETF-Auswahl, etablierte Infrastruktur
Trade Republic
- Pre-Registrierung seit März 2026
- Angekündigte Depotgebühr: noch nicht final veröffentlicht
- Bekannt für kostenlose ETF-Sparpläne im regulären Depot
- Stärke: Einfache App, niedrige Kosten
finanzen.net Zero
- Pre-Registrierung verfügbar
- Finale Konditionen noch nicht veröffentlicht
- Kostenlose ETF-Sparpläne im regulären Angebot
- Stärke: Keine Ordergebühren
Direktbanken
DKB
- Angekündigte Depotgebühr: 0,15 % pro Jahr
- Günstigste angekündigte Direktbank
- ETF-Auswahl: noch nicht veröffentlicht
- Stärke: Niedriger Preis, breites Serviceangebot als Vollbank
ING
- Angekündigte Depotgebühr: 0,20 % pro Jahr
- Rund 40 zertifizierte ETFs fürs Altersvorsorgedepot angekündigt
- Stärke: Etablierte Direktbank, guter telefonischer Support, hohe Kundenzufriedenheit
Comdirect
- Angekündigte Depotgebühr: 0,25 % pro Jahr
- Erste Direktbank mit konkreter Gebührenankündigung (Frühjahr 2026)
- 562 dauerhaft kostenlose ETF-Sparpläne im regulären Depot
- Stärke: Breites Serviceangebot, Filialen über das Commerzbank-Netz, Online-Broker des Jahres 2026
Finanzbildungsanbieter
beatvest
- Fokus: Finanzbildung und Guidance als Kern des Angebots
- DEFINO-zertifiziert (einziger digitaler Finanzbildungsanbieter in Deutschland mit dieser Zertifizierung)
- Gegründet von Julia Kruslin und Sophie Thurner, mit Berufserfahrung bei FCA- und SEC-regulierten Finanzinstituten
- Stärke: Persönlicher Customer Support und strukturierte Finanzbildung, die dich Schritt für Schritt durch Themen wie Förderung, Steuern und ETF-Auswahl begleitet
- beatvest App: 4,8/5 Sterne im App Store, Apple App of the Day, Focus Money Award
- Besonderheit: beatvest verbindet das Depot mit Bildungsinhalten. Erstanleger profitieren erfahrungsgemäß besonders von begleitender Finanzbildung.
Öffentliches Standarddepot
Das Gesetz sieht vor, dass ein öffentlicher Träger ein Standarddepot anbieten kann. Dieses muss denselben Kriterien wie privatwirtschaftlich angebotene Standardprodukte entsprechen: gesetzliche Standardeinstellungen, zwei Investmentvermögen (chancenreich und vorsichtig), automatische Umschichtung und maximal 1,0 Prozent Effektivkosten.
Die Verordnung zur Umsetzung liegt noch nicht vor. Stand Juni 2026 ist unklar, wann und in welcher Form das öffentliche Angebot an den Start geht.
Gebührenvergleich: Was kostet das Altersvorsorgedepot bei welchem Anbieter?
Die folgende Tabelle zeigt die bisher angekündigten Depotgebühren. Bei Neobrokern sind die finalen Gebühren noch nicht veröffentlicht, die Werte basieren auf öffentlichen Ankündigungen und Einschätzungen.
| Anbieter | Depotgebühr p.a. | ETF-Sparplan-Kosten | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| DKB | 0,15 % | Noch nicht bekannt | Günstigste Direktbank |
| ING | 0,20 % | Noch nicht bekannt | ~40 zertifizierte ETFs |
| Comdirect | 0,25 % | Kostenlose Sparpläne | Filialen, breiter Service |
| Scalable Capital | Noch offen | Voraussichtlich 0 EUR | Große ETF-Auswahl |
| Trade Republic | Noch offen | Voraussichtlich 0 EUR | Einfache App |
| finanzen.net Zero | Noch offen | Voraussichtlich 0 EUR | Keine Ordergebühren |
| beatvest | Noch offen | Noch offen | Finanzbildung + Guidance |
Was die Gebühren über 30 Jahre bedeuten
Kleine Unterschiede bei den Gebühren summieren sich über Jahrzehnte. Ein Beispiel:
Du zahlst 150 EUR pro Monat ein und erzielst 6 Prozent Rendite pro Jahr vor Kosten. Nach 30 Jahren sieht der Unterschied so aus:
Bei 0,15 % Gebühr (z.B. DKB): ca. 147.100 EUR Endkapital Bei 0,25 % Gebühr (z.B. Comdirect): ca. 144.400 EUR Endkapital Bei 0,50 % Gebühr: ca. 137.700 EUR Endkapital
Der Unterschied zwischen 0,15 % und 0,50 % beträgt über 30 Jahre rund 9.400 EUR. Das sind 0,35 Prozentpunkte Gebührendifferenz, die sich durch den Zinseszinseffekt zu einem vierstelligen Betrag aufschaukeln. (Diese Rechnung dient der Veranschaulichung. Tatsächliche Renditen können höher oder niedriger ausfallen und sind nicht garantiert.)
Praxis-Tipp: Die Depotgebühr ist wichtig, aber nicht alles. Wenn ein Anbieter mit 0,25 % Gebühr dir durch bessere Bildung und Support hilft, in Krisenzeiten investiert zu bleiben, ist das langfristig mehr wert als 0,10 % Ersparnis. Panikverkäufe in Crashs kosten im Schnitt deutlich mehr als ein paar Basispunkte Gebühr.
Standarddepot vs. freies Altersvorsorgedepot: Welches Modell bietet welcher Anbieter?
Das Gesetz sieht zwei Varianten vor, und jeder Anbieter muss mindestens das Standarddepot anbieten.
Standarddepot (Standarddepot Altersvorsorge)
- Gesetzliche Standardeinstellungen, keine Anlageentscheidungen nötig
- Zwei Fonds: chancenreich + vorsichtig
- Automatische Umschichtung Richtung Rente (Lifecycle-Modell)
- Kostendeckel: max. 1,0 % Effektivkosten pro Jahr
- Jeder Anbieter muss es anbieten
Freies Altersvorsorgedepot
- Du wählst deine ETFs selbst aus der Positivliste
- Kein gesetzlicher Kostendeckel
- Höhere Flexibilität, aber mehr eigene Entscheidungen
Für Einsteiger ohne Kapitalmarkterfahrung kann das Standarddepot eine unkomplizierte Option sein. Für erfahrene Anleger bietet das freie Altersvorsorgedepot mehr Kontrolle.
Anbieterwechsel: So funktioniert er im neuen System
Ein großes Problem der Riester-Rente: Der Wechsel war teuer und kompliziert. Das ändert sich grundlegend.
Die neuen Regeln:
- Abschlusskosten werden über die gesamte Ansparphase verteilt. Dadurch entsteht beim Wechsel keine Doppelbelastung.
- Ab fünf Jahren nach Abschluss muss der abgebende Anbieter den Wechsel kostenfrei gewähren.
- Der aufnehmende Anbieter darf maximal 150 EUR als Verwaltungspauschale berechnen.
- Ein Wechsel ist auch zu Beginn der Auszahlungsphase möglich.
Das bedeutet: Du bist nicht lebenslang an deinen ersten Anbieter gebunden. Wenn ein Anbieter in fünf Jahren bessere Konditionen bietet, kannst du wechseln, ohne bestraft zu werden.
Warum Finanzbildung bei der Anbieterwahl eine Rolle spielt
Die meisten Anbieter im Markt konzentrieren sich auf das Depot selbst: Gebühren, ETF-Auswahl, technische Infrastruktur. Die Frage, ob Nutzer auch verstehen, was sie tun, steht seltener im Vordergrund.
beatvest verfolgt einen anderen Ansatz. Das Unternehmen ist 2021 als Finanzbildungsanbieter gestartet und hat tausende Nutzer durch die Grundlagen von Geldanlage und Altersvorsorge begleitet. Die beatvest App erklärt Schritt für Schritt, wie ETFs funktionieren, was Diversifikation bedeutet und warum langfristiges Investieren funktioniert. Bei Fragen zur Förderung, zur Steuer oder zur Auszahlung gibt es persönliche Ansprechpartner.
Warum ist das relevant? Die größte Gefahr für deinen Anlageerfolg ist nicht die falsche Gebühr. Es ist ein Panikverkauf im nächsten Crash, weil du nicht verstanden hast, warum dein Depot gerade 20 Prozent im Minus steht. Anbieter, die Bildung und Support aktiv mitliefern, können hier einen Unterschied machen.
Du willst das Altersvorsorgedepot verstehen, bevor du eins eröffnest? Die beatvest App erklärt dir die Grundlagen.
Checkliste: So findest du den richtigen Anbieter
- Gesamtkosten prüfen: Depotgebühr + ETF-Sparplan-Kosten + TER der ETFs zusammenrechnen.
- ETF-Auswahl prüfen: Sind breit diversifizierte ETFs (MSCI World, FTSE All-World) verfügbar?
- Zulagen-Abwicklung klären: Bietet der Anbieter einen Dauerzulagenantrag? Ist der Prozess digital?
- Support testen: Wie erreichbar ist der Kundenservice? Gibt es Beratung bei Fragen?
- Bildungsangebot bewerten: Gibt es Erklärungen, Kurse oder Tools, die dir helfen, informierte Entscheidungen zu treffen?
- Standarddepot vs. frei entscheiden: Willst du selbst ETFs wählen oder lieber automatisch besparen lassen?
- Nicht hetzen: Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027. Du hast Zeit, in Ruhe zu vergleichen.
Fazit
Der Anbietermarkt für das Altersvorsorgedepot nimmt Formen an. Neobroker wie Scalable Capital und Trade Republic werden voraussichtlich mit den niedrigsten Gebühren starten. Direktbanken wie DKB, ING und Comdirect bieten mehr Service und Erreichbarkeit. beatvest ergänzt den Markt mit einem Ansatz, der Finanzbildung und persönlichen Support in den Mittelpunkt stellt.
Der beste Anbieter ist nicht automatisch der günstigste. Es ist der, bei dem du dich gut aufgehoben fühlst, dein Depot verstehst und über Jahrzehnte dabeibleibst. Denn die teuerste Entscheidung beim Altersvorsorgedepot ist kein Gebührenunterschied. Es ist, in einer Krise alles zu verkaufen, weil niemand da war, der dir erklärt hat, warum Durchhalten sich lohnt.
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Quellen
- Bundesfinanzministerium: Fragen und Antworten zur Reform der privaten Altersvorsorge, Stand Juni 2026
- Comdirect: Gebührenankündigung Altersvorsorgedepot, Frühjahr 2026
- Scalable Capital: Pre-Registrierung Altersvorsorgedepot, Februar 2026
- Trade Republic: Pre-Registrierung Altersvorsorgedepot, März 2026
- DKB: Angekündigte Depotgebühr 0,15 % p.a., Stand Mai 2026
- ING: Angekündigte Depotgebühr 0,20 % p.a. und ~40 zertifizierte ETFs, Stand Mai 2026