Altersvorsorgedepot

Altersvorsorgedepot 2027: Alles was du wissen musst | beatvest

Das Altersvorsorgedepot kommt am 1. Januar 2027. Bis zu 540 Euro Förderung/Jahr, ETF-Investition steuerfrei in der Ansparphase. Alles zu Berechtigung, Kosten, Anbietern.

Lerne investieren: designed für Anfänger:innen

Die weltbeste Methode, um Investieren zu lernen. Mit 3-minütigen Lernmodulen und exklusivem Expertenwissen. Es war noch nie so einfach.

Das Wichtigste in Kürze

  • Was: Ein staatlich gefördertes Depot, in dem du in ETFs für die Rente investieren kannst. Ohne Beitragsgarantie, dafür mit höheren Renditechancen.
  • Wann: Ab 1. Januar 2027.
  • Förderung: Bis zu 540 EUR Grundzulage + 300 EUR pro Kind + 200 EUR Berufseinsteigerbonus.
  • Wer: Alle Arbeitnehmer, Beamte, und NEU: Selbständige und Freiberufler.
  • Kosten: Standarddepot mit gesetzlichem Kostendeckel von 1,0% Effektivkosten.
  • Mindestbeitrag: 10 EUR pro Monat.

1. Was ist das Altersvorsorgedepot?

Stell dir vor, du könntest in ETFs investieren, dafür jedes Jahr hunderte Euro vom Staat geschenkt bekommen und das Ganze ist speziell für deine Rente geschützt. Genau das ist das Altersvorsorgedepot.

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, in dem du in ETFs, Fonds und andere Kapitalmarktprodukte investieren kannst, um für dein Alter vorzusorgen. Es ist das Herzstück der Reform der privaten Altersvorsorge, die die Riester-Rente als zentrales Förderinstrument ablöst.

Was macht das Altersvorsorgedepot besonders?

Die große Innovation: Zum ersten Mal fördert der Staat Investitionen am Kapitalmarkt, ohne dass dein Anbieter dir eine Beitragsgarantie geben muss.

Bei der alten Riester-Rente musste der Anbieter garantieren, dass du am Ende mindestens deine eingezahlten Beiträge zurückbekommst. Klingt erst mal gut, hatte aber einen gewaltigen Nachteil: Um diese Garantie abzusichern, mussten die Anbieter dein Geld extrem konservativ anlegen. Das Ergebnis waren magere Renditen und hohe Kosten.

Ohne diese Garantiepflicht können Anbieter dein Geld so anlegen, wie es für langfristigen Vermögensaufbau am sinnvollsten ist: breit gestreut am Kapitalmarkt, zum Beispiel in global diversifizierte ETFs. Über Zeiträume von 20, 30 oder mehr Jahren hat der Kapitalmarkt historisch deutlich höhere Renditen erzielt als konservative Zinsprodukte.

Der Weg zum Gesetz

  • 2023: Die Fokusgruppe private Altersvorsorge legt ihre Empfehlungen vor. Zentrale Erkenntnis: Die Beitragsgarantie bei Riester schadet den Sparern mehr, als sie ihnen nützt.
  • 17. Dezember 2025: Das Bundeskabinett verabschiedet den Gesetzentwurf.
  • 27. März 2026: Der Bundestag beschließt die Reform. Dabei wird der Kreis der Förderberechtigten auf Selbständige ausgeweitet.
  • 8. Mai 2026: Der Bundesrat stimmt zu.
  • 1. Januar 2027: Die neuen Altersvorsorgeprodukte stehen zur Verfügung.

Warum ist das Altersvorsorgedepot so wichtig?

Rund 40 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland haben keinerlei zusätzliche Altersvorsorge. Gleichzeitig investieren nur 12,1 Millionen von über 70 Millionen Menschen ab 14 Jahren am Kapitalmarkt. Die Versorgungslücke liegt bei vielen Menschen bei 30 bis 40 Prozent.

Private Altersvorsorge ist deshalb kein "Nice-to-have", sondern notwendig. Das Problem: Das wichtigste Instrument dafür, die Riester-Rente, hat nicht funktioniert.

Von den rund 15 Millionen bestehenden Riester-Verträgen sind 20 bis 25 Prozent ruhend gestellt. Rund 4,6 Millionen Verträge wurden komplett gekündigt. Die Gründe: zu kompliziert, zu teuer, zu wenig Rendite.

Das Altersvorsorgedepot soll das ändern: einfacher, günstiger, renditestärker. Und zum ersten Mal für fast alle zugänglich.

In unserer Arbeit mit Banken und Brokern erleben wir täglich, dass die größte Hürde für private Altersvorsorge nicht das fehlende Geld ist, sondern fehlendes Wissen. Das Altersvorsorgedepot senkt die Einstiegshürde, aber Finanzbildung bleibt der Schlüssel.

Ein Blick nach Frankreich zeigt, was möglich ist: Dort hat der Plan d'Epargne Retraite (PER) in nur vier Jahren über 10 Millionen Inhaber und 100 Milliarden Euro Volumen erreicht. Deutschland hat einen noch größeren Nachholbedarf.

2. Wie funktioniert die Förderung?

Das Fördersystem ist beitragsproportional aufgebaut: Je mehr du einzahlst, desto mehr bekommst du vom Staat dazu. Kein kompliziertes Berechnen eines Mindesteigenbeitrags wie bei Riester. Stattdessen eine klare, einfache Logik.

Die Grundzulage: Bis zu 540 Euro pro Jahr

Die Förderung besteht aus zwei Stufen:

Stufe 1: 50 Cent pro Euro (bis 360 Euro Eigenbeitrag) Für jeden Euro, den du einzahlst, legt der Staat 50 Cent oben drauf. Maximale Zulage in dieser Stufe: 180 Euro.

Stufe 2: 25 Cent pro Euro (von 361 bis 1.800 Euro Eigenbeitrag) Ab dem 361. Euro gibt der Staat noch 25 Cent pro Euro dazu. Maximale Zulage in dieser Stufe: 360 Euro.

Zusammen ergibt das eine maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr. Das ist ein enormer Unterschied zur alten Riester-Rente, bei der die Grundzulage pauschal bei 175 Euro lag.

Die Kinderzulage: 300 Euro pro Kind

Für jedes Kind gibt es eine Zulage von bis zu 300 Euro pro Jahr. Die Kinderzulage wird ebenfalls beitragsproportional gewährt: Für jeden Euro Eigenbeitrag gibt es einen Euro Kinderzulage, bis zur Obergrenze von 300 Euro pro Kind.

Konkret: Bereits mit 25 Euro pro Monat pro Kind sicherst du dir die volle Kinderzulage.

Der Berufseinsteigerbonus: 200 Euro geschenkt

Wenn du vor deinem 25. Geburtstag einen Altersvorsorgevertrag abschließt, erhältst du einmalig 200 Euro vom Staat. Ein starker Anreiz, früh mit dem Sparen anzufangen.

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

  • Mindestbeitrag pro Jahr: 120 EUR (= 10 EUR/Monat)
  • Maximaler geförderter Eigenbeitrag: 1.800 EUR/Jahr
  • Maximale Grundzulage: 540 EUR/Jahr
  • Kinderzulage: bis 300 EUR/Kind/Jahr
  • Berufseinsteigerbonus: 200 EUR (einmalig, unter 25)
  • Maximale Einzahlung insgesamt: 6.840 EUR/Jahr

Der Mindestbeitrag liegt bei nur 120 Euro pro Jahr, also 10 Euro pro Monat. Du kannst insgesamt bis zu 6.840 Euro pro Jahr einzahlen. Für alles über 1.800 Euro gibt es keine zusätzliche Grundzulage, aber die Einzahlungen sind trotzdem steuerlich begünstigt.

Rechenbeispiel 1: Angestellte, 30 Jahre, keine Kinder

Situation: Sarah, 30, arbeitet als Projektmanagerin und zahlt 150 Euro pro Monat ein.

Eigenbeitrag pro Jahr: 150 EUR x 12 Monate = 1.800 EUR Grundzulage Stufe 1: 360 EUR x 0,50 = 180 EUR Grundzulage Stufe 2: 1.440 EUR x 0,25 = 360 EUR Grundzulage gesamt: 540 EUR Gesamtbeitrag im Depot: 1.800 + 540 = 2.340 EUR Effektive Förderquote: 30 %

Sarah zahlt 1.800 Euro ein und bekommt 540 Euro vom Staat dazu. Das sind 30 Prozent on top, jedes Jahr. Dieses Geld wird am Kapitalmarkt für sie angelegt und kann über die nächsten 37 Jahre bis Renteneintritt wachsen.

Zum Vergleich: Bei Riester hätte Sarah maximal 175 Euro Grundzulage bekommen.

Rechenbeispiel 2: Mutter, 35 Jahre, 2 Kinder

Situation: Lisa, 35, arbeitet in Teilzeit und zahlt 50 Euro pro Monat ein. Sie hat zwei Kinder (3 und 6 Jahre alt).

Eigenbeitrag pro Jahr: 50 EUR x 12 Monate = 600 EUR Grundzulage gesamt: 240 EUR Kinderzulage: 2 x 300 EUR = 600 EUR Gesamtförderung: 840 EUR Gesamtbeitrag im Depot: 600 + 840 = 1.440 EUR Effektive Förderquote: 140 %

Lisa zahlt 600 Euro ein und bekommt 840 Euro vom Staat dazu. Sie bekommt also deutlich mehr geschenkt, als sie selbst einzahlt. Das ist besonders für Familien mit kleinerem Budget ein enormer Hebel.

Die Kinderzulage und die Grundzulage werden aus demselben Eigenbeitrag berechnet. Lisa muss nicht separate Beträge einzahlen. Für die volle Kinderzulage braucht sie mindestens 300 Euro pro Kind und Jahr.

Zusätzlicher Steuervorteil: der Sonderausgabenabzug

Neben der Zulage gibt es einen zweiten Förderhebel: Du kannst deine Altersvorsorgebeiträge als Sonderausgaben in deiner Steuererklärung absetzen.

Das Finanzamt prüft automatisch per Günstigerprüfung, ob der Sonderausgabenabzug für dich vorteilhafter ist als die Zulage. Du musst dafür nichts extra tun.

Gerade für gut verdienende Angestellte kann die effektive Förderung dadurch noch höher ausfallen als die Zulage allein.

Du willst wissen, wie viel Förderung du persönlich bekommst? Berechne es mit unserem kostenlosen Altersvorsorgedepot-Rechner.

3. Wer ist förderberechtigt?

Bei Riester war der Berechtigtenkreis stark eingeschränkt. Nur Pflichtversicherte und Beamte kamen in den Genuss der Förderung. Das ändert sich grundlegend: Der Kreis wurde deutlich erweitert.

Unmittelbar förderberechtigt

Klassisch (wie bisher bei Riester):

  • Arbeitnehmer in der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Auszubildende
  • Beamte, Richter und Berufssoldaten
  • Minijobber (nicht von der RV-Pflicht befreit)
  • Pflichtversicherte Künstler und Publizisten
  • Bundesfreiwilligendienstleistende
  • Empfänger von Arbeitslosengeld, Bürgergeld, Krankengeld
  • Bezieher einer Rente wegen voller Erwerbsminderung
  • Landwirte und mitarbeitende Familienangehörige

Eltern und Pflegende:

  • Eltern in Kindererziehungszeit: Wer ein Kind unter 3 Jahren erzieht, ist förderberechtigt, auch ohne erwerbstätig zu sein.
  • Pflegende Angehörige: Wer eine Person mit Pflegegrad 2+ mindestens 10 Stunden pro Woche pflegt.

NEU: Selbständige und Freiberufler

Das ist eine der wichtigsten Neuerungen. Erstmals sind auch förderberechtigt:

  • Selbständige und Gewerbetreibende mit Einkünften nach § 15 EStG
  • Freiberufler nach § 18 EStG (Ärzte, Anwälte, Architekten, Steuerberater, Ingenieure, Journalisten u.v.m.)
  • Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen

Für Selbständige ist das ein Durchbruch. Die Rürup-Rente bietet keine Zulagen und ist deutlich unflexibler. Wenn du selbständig bist, lohnt sich ein genauer Blick auf das Altersvorsorgedepot ab 2027.

Mittelbar förderberechtigt: Ehepartner

Wenn dein Ehepartner unmittelbar förderberechtigt ist, bist du als Ehepartner mittelbar zulageberechtigt. Voraussetzung: mindestens 120 Euro pro Jahr in einen eigenen Vertrag einzahlen. Die Zulage beträgt bis zu 175 Euro.

Wer ist NICHT förderberechtigt?

  • Freiwillig Versicherte in der GRV (ohne Pflichtbeiträge)
  • Minijobber, die sich von der RV-Pflicht befreit haben
  • Vollrentner (Bezieher einer vollen Altersrente)

Wie viele Verträge darf ich haben?

Du kannst neben einem bestehenden Altvertrag bis zu zwei neue Altersvorsorgeverträge abschließen.

Wichtig: Mit einem neuen Vertrag endet der Bestandsschutz für deinen Altvertrag. Die bisher erhaltene Förderung musst du aber nicht zurückzahlen.

4. Die drei Produkttypen: Altersvorsorgedepot, Standarddepot und Garantieprodukt

Die Reform schafft ein System aus drei Produkttypen. Die Förderung ist bei allen identisch. Der Unterschied liegt in Anlageform, Risiko und Kosten.

Altersvorsorgedepot (ohne Garantie)

Das Produkt mit den höchsten Renditechancen. Du investierst selbst in ETFs und Fonds.

  • Du triffst deine Anlageentscheidungen selbst
  • Keine Beitragsgarantie, dein Depotwert kann schwanken
  • Höchste Renditechancen durch volle Kapitalmarktbeteiligung
  • Dein Depot ist als Altersvorsorgevermögen geschützt (Pfändungsschutz)

Für wen? Langer Anlagehorizont (15+ Jahre), Schwankungen aushalten, Kontrolle behalten.

Standarddepot (Standarddepot Altersvorsorge)

Das Einsteigerprodukt für alle, die sich nicht aktiv mit Anlageentscheidungen beschäftigen wollen.

  • Gesetzlich festgelegte Standardeinstellungen
  • Zwei Fonds: ein chancenreicher und ein vorsichtiger
  • Automatische Umschichtung (Lifecycle-Modell) Richtung Rente
  • Kostendeckel: maximal 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr
  • Muss von jedem Anbieter angeboten werden

Für wen? Wenig Erfahrung mit dem Kapitalmarkt, kein Interesse an aktiven Entscheidungen.

Garantieprodukt

Für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen.

  • Beitragsgarantie: 100 Prozent oder 80 Prozent
  • Geringere Renditechancen durch Absicherungspflicht
  • Höhere Kosten als bei den anderen beiden Produkttypen

Für wen? Sicherheit hat absolute Priorität, oder nur noch wenige Jahre bis zur Rente.

Alle drei Produkttypen im Vergleich

Altersvorsorgedepot

  • Beitragsgarantie: Nein
  • Anlageentscheidung: Du selbst
  • Renditechancen: Hoch
  • Kostendeckel: Nein (Markt regelt)
  • Ideal für: Erfahrene Anleger, langer Horizont

Standarddepot

  • Beitragsgarantie: Nein
  • Anlageentscheidung: Automatisch
  • Renditechancen: Mittel bis hoch
  • Kostendeckel: Ja, max. 1,0%/Jahr
  • Ideal für: Einsteiger, wenig Zeit

Garantieprodukt

  • Beitragsgarantie: Ja (80% oder 100%)
  • Anlageentscheidung: Beim Anbieter
  • Renditechancen: Gering bis mittel
  • Kostendeckel: Nein
  • Ideal für: Sicherheitsorientierte

Staatliche Förderung: Bei allen drei Produkttypen identisch.

Für die meisten Menschen unter 50 bietet das Altersvorsorgedepot oder das Standarddepot das beste Verhältnis aus Kosten, Rendite und Einfachheit. Das Standarddepot senkt die Einstiegshürde für Menschen, die sich bisher nicht an den Kapitalmarkt getraut haben.

Kann ich den Produkttyp später wechseln?

Ja. Der Anbieterwechsel wird durch das neue Gesetz erleichtert. Abschlusskosten werden über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt, sodass ein Wechsel nach wenigen Jahren nicht mehr so teuer ist wie bei Riester.

5. Altersvorsorgedepot vs. Riester-Rente: Was ändert sich?

Was bedeutet die Reform für bestehende Riester-Verträge? Und was ist am neuen System besser?

Der direkte Vergleich

  • Grundzulage: Riester pauschal 175 EUR/Jahr. Neu bis 540 EUR/Jahr.
  • Mindestbeitrag für volle Zulage: Riester 4% vom Brutto (komplex). Neu 1.800 EUR/Jahr (einfach).
  • Kinderzulage: Riester 185/300 EUR je nach Geburtsjahr. Neu 300 EUR/Kind (einheitlich).
  • Berechtigte: Riester nur Angestellte, Beamte. Neu auch Selbständige und Freiberufler.
  • Beitragsgarantie: Riester Pflicht (100%). Neu optional.
  • Kosten: Riester kein Deckel. Neu Standarddepot max. 1,0%.
  • Auszahlung: Riester nur Rente. Neu Rente oder Auszahlungsplan bis 85.
  • Anbieterwechsel: Riester oft teuer. Neu nach 5 Jahren kostenfrei.

Die fünf größten Verbesserungen

1. Dreimal mehr Grundzulage Von 175 Euro auf 540 Euro pro Jahr. Die komplizierte Berechnung über Prozent vom Bruttoeinkommen fällt weg.

2. Endlich auch für Selbständige Rund 4 Millionen Selbständige und Freiberufler hatten bisher keinen Zugang zu staatlich geförderter privater Altersvorsorge.

3. Höhere Rendite ohne Garantiezwang Die Pflicht zur Beitragsgarantie war der größte Renditebremser der Riester-Rente. Beim Altersvorsorgedepot fällt dieser Zwang weg.

4. Kostendeckel beim Standarddepot Riester-Produkte waren berüchtigt für hohe Kosten. Das Standarddepot hat einen Deckel von 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr.

5. Flexible Auszahlung statt Verrentungspflicht Du hast die Wahl: lebenslange Rente oder ein Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr.

Was passiert mit deinem bestehenden Riester-Vertrag?

Es gibt keine automatische Kündigung. Dein Riester-Vertrag läuft weiter. Du hast drei Optionen:

Option 1: Alten Vertrag behalten, in neue Fördersystematik wechseln Du behältst deinen Vertrag, wechselst aber ins neue Zulagensystem (bis zu 540 Euro). Die bisherige Förderung muss nicht zurückgezahlt werden.

Option 2: In einen neuen Vertrag wechseln Du überträgst dein Kapital in ein Altersvorsorgedepot. Es können Wechselkosten entstehen.

Option 3: Alten Vertrag ruhend stellen, neuen abschließen Dein altes Guthaben bleibt erhalten. Du eröffnest parallel einen neuen Vertrag.

In allen drei Fällen: Bereits erhaltene Förderung muss nicht zurückgezahlt werden.

Wann lohnt sich der Wechsel?

Ein Wechsel lohnt sich tendenziell, wenn:

  • Effektivkosten über 1,5 Prozent
  • Noch mehr als 15 Jahre bis zur Rente
  • Bisher nur 175 Euro Grundzulage
  • Vertrag ohnehin ruhend gestellt

Abwarten kann sinnvoll sein, wenn:

  • Niedrige Kosten und gute Rendite
  • Kurz vor der Rente
  • Beitragsgarantie bewusst gewünscht

6. Welche ETFs eignen sich für das Altersvorsorgedepot?

Beim Altersvorsorgedepot kannst du direkt am Kapitalmarkt teilnehmen. Welche Vermögensgegenstände zugelassen sind, regelt eine gesetzliche Positivliste.

Das Standarddepot: die einfache Variante

  • Zwei Investmentvermögen: Ein chancenreicher Topf (z.B. globaler Aktien-ETF) und ein vorsichtiger (z.B. Anleihen-ETF).
  • Automatische Umschichtung: Je näher du dem Rentenalter kommst, desto mehr wird in den vorsichtigen Topf umgeschichtet.
  • Kostendeckel: Maximal 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr.

Worauf du bei der ETF-Auswahl achten solltest

  • Breite Diversifikation: MSCI World oder FTSE All-World streuen über Hunderte oder Tausende Unternehmen.
  • Niedrige Kosten (TER): Bei breit gestreuten ETFs zwischen 0,10 und 0,25 Prozent pro Jahr. Über 30 Jahre macht das Tausende Euro Unterschied.
  • Physische Replikation: ETFs, die die Aktien tatsächlich kaufen, gelten als transparenter.
  • Ausreichendes Fondsvolumen: Über 500 Millionen Euro für Stabilität und günstige Kosten.

Was noch nicht feststeht

Die konkreten ETF-Listen der Anbieter stehen noch nicht fest. Es ist davon auszugehen, dass die großen Anbieter gängige ETFs von iShares, Vanguard, Xtrackers und Co. anbieten werden.

Nachhaltigkeit: ESG-Transparenz ist Pflicht

Anbieter müssen dich jährlich darüber informieren, ob und wie ESG-Kriterien in der Anlage berücksichtigt werden.

7. Anbieter im Überblick

Wer darf ein Altersvorsorgedepot anbieten, und wer hat sich bereits positioniert? Stand: Juni 2026.

Wer darf Anbieter sein?

Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und andere zugelassene Finanzinstitute. Voraussetzung: Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern. Zusätzlich ist ein öffentliches Standarddepot in öffentlicher Trägerschaft gesetzlich vorgesehen.

Diese Anbieter haben bereits angekündigt

  • Scalable Capital: Pre-Registrierung seit Februar 2026.
  • Trade Republic: Pre-Registrierung seit März 2026.
  • Comdirect: Erster Anbieter mit konkreter Gebühr: 0,25 Prozent pro Jahr.
  • DKB: Angekündigt, noch keine Konditionen.
  • ING: Angekündigt, noch keine Konditionen.

Anbieterwechsel: einfacher als bei Riester

  • Nach 5 Jahren: Keine Wechselgebühr beim abgebenden Anbieter.
  • Neuer Anbieter: Maximal 150 EUR für die Übernahme.
  • Auch in der Auszahlungsphase möglich.

8. Steuerliche Behandlung

Die Steuervorteile sind einer der wichtigsten Gründe für das Altersvorsorgedepot. Das Prinzip: In der Ansparphase weniger Steuern, erst bei der Auszahlung versteuern. Im Alter ist dein Steuersatz meistens niedriger.

Einzahlungsphase: Steuern sparen beim Einzahlen

Deine Eigenbeiträge (bis zu 1.800 EUR/Jahr) plus die Zulagen kannst du als Sonderausgaben absetzen. Das Finanzamt führt automatisch eine Günstigerprüfung durch.

Rechenbeispiel: Du verdienst 45.000 EUR brutto und zahlst 1.800 EUR/Jahr ein. Absetzbar: 1.800 + 540 = 2.340 EUR. Bei ca. 35% Grenzsteuersatz sparst du rund 819 EUR Einkommensteuer. Da das mehr ist als die 540 EUR Zulage, bekommst du 279 EUR zusätzliche Steuererstattung. Die 540 EUR Zulage bleibt trotzdem auf deinem Vertrag.

Ansparphase: Steuerfrei wachsen lassen

Hier liegt der größte Unterschied zum normalen ETF-Depot:

  • Keine Abgeltungssteuer auf Dividenden
  • Keine Abgeltungssteuer auf Kursgewinne
  • Keine Vorabpauschale

Dein gesamtes Kapital arbeitet für dich, ohne dass jedes Jahr ein Teil an das Finanzamt abfließt. In einem normalen Depot zahlst du 26,375 Prozent auf alle Erträge. Über 30 Jahre summiert sich dieser Unterschied auf Tausende Euro.

Konkreter Vergleich: 150 EUR/Monat über 30 Jahre bei 7% Rendite

Normales ETF-Depot:

  • Eigene Einzahlungen: 54.000 EUR
  • Staatliche Zulagen: 0 EUR
  • Steuer in der Ansparphase: Vorabpauschale + Abgeltungssteuer
  • Endkapital: ca. 150.000 EUR

Altersvorsorgedepot:

  • Eigene Einzahlungen: 54.000 EUR
  • Staatliche Zulagen: 540 EUR/Jahr, mitverzinst
  • Steuer in der Ansparphase: Keine
  • Endkapital: ca. 236.000 EUR

Der Unterschied von rund 86.000 EUR entsteht durch drei Effekte: die mitverzinsten Zulagen, den ungestörten Zinseszinseffekt, und den höheren Gesamtbeitrag. (Vereinfachte Berechnung. Beim normalen Depot mit Teilfreistellung 30% und Vorabpauschale. Beim Altersvorsorgedepot fällt nachgelagerte Besteuerung an.)

Auszahlungsphase: Nachgelagerte Besteuerung

Auszahlungen werden mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.

  • Geförderte Beiträge: Voll besteuert bei Auszahlung.
  • Nicht geförderte Beiträge: Nur der Ertragsanteil wird besteuert.
  • Krankenversicherung: Bei GKV-Pflichtversicherten sind Auszahlungen beitragsfrei.

Warum lohnt sich das? Wer im Berufsleben 42 Prozent Grenzsteuersatz zahlt, hat als Rentner oft nur noch 25 bis 30 Prozent.

Praxis-Tipp: Die Kombination aus Altersvorsorgedepot und normalem ETF-Depot kann sinnvoll sein. Im Altersvorsorgedepot nutzt du Zulagen und steuerfreien Zinseszins bis zum Förderhöchstbetrag. Alles darüber investierst du im normalen Depot für maximale Liquidität.

9. Auszahlung: Was passiert bei Renteneintritt?

Wann kann die Auszahlung beginnen?

  • Frühestens: Ab dem 65. Lebensjahr (oder früher bei Bezug einer gesetzlichen Altersrente).
  • Spätestens: Bis zum 70. Lebensjahr.

Zwei Auszahlungsoptionen

Option 1: Lebenslange Leibrente Jeden Monat ein fester Betrag, solange du lebst. Du kannst dein Geld nicht "überleben". Nachteil: Bei frühem Tod ist das restliche Kapital weg (außer mit Rentengarantiezeit).

Option 2: Befristeter Auszahlungsplan Dein Kapital wird bis mindestens zum 85. Lebensjahr ausgezahlt. Vererbbar, wenn du vor Ablauf stirbst.

Einmalige Teilkapitalauszahlung

Bis zu 30 Prozent deines Vermögens kannst du dir auf einmal auszahlen lassen.

Eigenheimrenten-Förderung

Du kannst Kapital für den Kauf, Bau oder die Entschuldung von selbstgenutztem Wohneigentum entnehmen. Das gilt nicht als schädliche Verwendung. Nicht jeder Anbieter muss diese Option anbieten.

Vererbung: Was passiert im Todesfall?

  • Auszahlungsplan: Verbleibendes Kapital ist vererbbar.
  • Leibrente: Nicht vererbbar, außer mit Rentengarantiezeit.
  • Ehepartner: Übertragung ohne Abzüge möglich.
  • Andere Erben: Müssen die Förderung zurückzahlen.

Schädliche Verwendung: Wann musst du Förderung zurückzahlen?

Entnahme von gefördertem Vermögen vor Renteneintritt bedeutet: Alle Zulagen und Steuervorteile müssen zurück.

Ausnahmen:

  • Eigenheimbetrag für Wohneigentum
  • 30 Prozent Teilkapitalauszahlung bei Rentenbeginn
  • Kleinbetragsrente
  • Nicht gefördertes Vermögen (jederzeit frei verfügbar)

Ruhestand im Ausland

  • Innerhalb EU/EWR: Kein Problem, Förderung bleibt.
  • Außerhalb EU/EWR: Gilt als schädliche Verwendung. Wer den Ruhestand in Thailand, der Schweiz oder den USA plant, sollte das berücksichtigen.

10. Schritt für Schritt: So eröffnest du ein Altersvorsorgedepot

Ab dem 01.01.2027 kannst du ein Altersvorsorgedepot eröffnen. So gehst du vor:

  1. Prüfe deine Förderberechtigung. Angestellt, verbeamtet, selbständig oder freiberuflich? Dann bist du grundsätzlich berechtigt. Details in Abschnitt 3.

  2. Entscheide dich für ein Produktmodell. Altersvorsorgedepot (frei), Standarddepot (automatisch) oder Garantieprodukt (abgesichert).

  3. Vergleiche Anbieter. Achte auf Gebühren, ETF-Auswahl, Service und Zulagen-Abwicklung.

  4. Eröffne das Depot. Voraussichtlich digital. Du brauchst: Personalausweis, Steuer-ID, Referenzkonto.

  5. Richte einen Sparplan ein. Ab 10 EUR/Monat möglich. Für die volle Grundzulage: 150 EUR/Monat.

  6. Beantrage die Zulagen. Am einfachsten per Dauerzulagenantrag: Einmal Vollmacht erteilen, der Anbieter beantragt jedes Jahr automatisch.

  7. Prüfe jährlich deine Situation. Neues Kind? Einkommensänderung? Unter 25?

11. Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot besonders?

Berufseinsteiger (Mitte 20)

Du bekommst den Berufseinsteigerbonus von 200 EUR und hast 30 bis 40 Jahre Zinseszinseffekt vor dir.

Rechenbeispiel: Start mit 25, 100 EUR/Monat. Grundzulage: 390 EUR/Jahr. Plus 200 EUR Berufseinsteigerbonus im ersten Jahr. Bei 6% Rendite hast du mit 67 rund 300.000 EUR im Depot. Davon selbst eingezahlt: nur 50.400 EUR.

Selbständige und Freiberufler

Erstmals Zugang zur Zulagenförderung. Das Altersvorsorgedepot bietet gegenüber der Rürup-Rente: Zulagen, flexible Auszahlung, Vererbbarkeit und Kapitalentnahme für Wohneigentum.

Eltern

Kinderzulage von bis zu 300 EUR pro Kind und Jahr. Eine Familie mit 2 Kindern bekommt bis zu 1.140 EUR Förderung pro Jahr. Über 20 Jahre: 22.800 EUR an Zulagen, noch ohne Rendite.

Geringverdiener

Bei 30 EUR pro Monat (360 EUR/Jahr) bekommst du 180 EUR Grundzulage. Das ist eine Förderquote von 50 Prozent.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist die tiefgreifendste Reform der privaten Altersvorsorge seit der Riester-Rente 2002. Es adressiert genau die Probleme, die Riester zum Scheitern gebracht haben: zu hohe Kosten, zu wenig Rendite, zu starr, zu kompliziert.

Erstmals können alle Erwerbstätigen in Deutschland staatlich gefördert in ETFs und Fonds investieren. Die Zulagenstruktur ist einfacher und gerechter. Und der Wegfall der Beitragsgarantie bedeutet, dass dein Geld endlich dort arbeiten kann, wo langfristig die höchsten Renditen entstehen.

Aber ein Depot allein reicht nicht. Wer versteht, wie Geldanlage funktioniert, was der Zinseszinseffekt bewirkt und warum breit gestreute ETFs sinnvoller sind als Einzelaktien, trifft bessere Entscheidungen. Finanzbildung kommt vor dem Depot.

Genau dafür gibt es die beatvest App: Sie hilft dir, die Grundlagen von Geldanlage und Altersvorsorge zu verstehen. Schritt für Schritt, in deinem Tempo.


Quellen

  1. Bundesfinanzministerium: Fragen und Antworten zur Reform der privaten Altersvorsorge, Stand Juni 2026
  2. Deutscher Bundestag: Debatte zur Reform der privaten Altersvorsorge, März 2026
  3. Deutsches Aktieninstitut (DAI): Aktionärszahlen 2024
  4. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Statistik zur privaten Altersvorsorge / Riester-Verträge
  5. Finanztip: Bittere Bilanz der Riester-Rente
  6. Direction generale du Tresor (Frankreich): Deploiement du PER, April 2024

Jetzt investieren lernen

Jetzt downloaden und mit 3-minütigen Lernmodulen, Expertenwissen und all-inclusive Investieren loslegen.

FAQ

Wann startet das Altersvorsorgedepot?
Wie hoch ist die maximale Förderung?
Kann ich mehrere Altersvorsorgeverträge haben?
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Muss ich meinen Riester-Vertrag kündigen?
Sind Selbständige beim Altersvorsorgedepot berechtigt?
Ab welchem Betrag lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Was ist das Standarddepot Altersvorsorge?
Kann ich die ETFs im Altersvorsorgedepot selbst wählen?
Was passiert beim Anbieterwechsel des Altersvorsorgedepots?
Ist das Altersvorsorgedepot pfändungsgeschützt?
Kann ich das Altersvorsorgedepot für eine Immobilie nutzen?
Was passiert mit dem Altersvorsorgedepot bei Arbeitslosigkeit?
Kann ich mein Altersvorsorgedepot vererben?
Wie wird das Altersvorsorgedepot besteuert?
Was passiert mit dem Altersvorsorgedepot bei Umzug ins Ausland?
Kann ich das Altersvorsorgedepot vorzeitig auszahlen lassen?
Was ist der Unterschied zwischen Altersvorsorgedepot und normalem ETF-Sparplan?

Autorenbox

Sie ist Gründerin von beatvest. Als sie vor einigen Jahren zu Investieren begonnen hatte, fiel ihr persönlich das Problem der Finanzmärkte auf. Das Wissen ist wild verteilt und überwältigend. Man macht sich bei der Auswahl der richtigen Investmentprodukte sorgen und braucht lange bis man Selbstbewusstsein aufgebaut hat. Doch so muss es nicht sein.

Ähnliche Beiträge